HUMANOTOP Avantis

Gemeinsam neue Lebens- und Arbeits(t)räume schaffen – HUMANOTOP Avantis

Höher, schneller, weiter – eine überholte Sichtweise?

Jahrzehnte lang ging es um Superlative: Weiter, schneller, höher, leistungsstärker und größer. Heute stellt der Verein Ingenieure retten die Erde e.V. die Frage: Sollten wir alle in Zukunft nicht eine neue Maxime, ein anderes Weltbild anstreben?

Wie wäre es, wenn wir unseren Sinn für die Nachhaltigkeit schärfen? Der Fortschritt der vergangenen Jahrzehnte, der die Menschheit in vielerlei Hinsicht weitergebracht hat, ist nicht spurlos an der Umwelt vorbeigezogen. Es ist an der Zeit, die Einflüsse auf Umwelt und Natur ernst zu nehmen und im Sinne der Nachhaltigkeit zu handeln. Diesen Gedanken hatte Achim Kampker, Professor der RWTH Aachen im Bereich Maschinenbau und Leiter des Lehrstuhls für Elektromobilproduktion (PEM) der RWTH, als er 2019 den Verein Ingenieure retten die Erde e.V. (https://humanotop.earth/) gründete.

Humanotop

Ein zentrales Ziel des Vereins: der Aufbau sogenannter HUMANOTOPE. Ein HUMANOTOP stellt das Konzept einer Stadt der Zukunft dar, in der Ressourcenneutralität geschaffen wird. Es erstreckt sich auf fünf zentrale Bereiche: Leben (bzw. Lebensraum), Mobilität, Ökologie, Energie und Produktion.


Betrachtet man unsere Städte heute, haben wir die Natur und die Artenvielfalt weitestgehend aus den Stadtkernen in das Umland oder in Naturschutzgebiete vertrieben, während urbane Räume zum Großteil aus versiegelten Flächen bestehen. Im HUMANOTOP soll diese Teilung entschärft werden, die verschiedenen Bereiche sollen sich ergänzen und harmonisch Co-existieren. Doch wie fängt man an, bei einer so großen Vision? Ganz einfach: Indem man eben anfängt.

„Es geht nicht darum, alle Punkte auf einmal zu realisieren, es geht darum überhaupt anzufangen. Einen Schritt nach dem anderen, hin zu einer besseren und nachhaltigeren Zukunft.“ Prof. Achim Kampker

Eine alte Idee neu gedacht – Avantis

Kurz nach der Schließung des Vertrags von Maastricht 1992 entstand die Idee der Gründung eines grenzüberschreitenden Industrie- und Gewerbegebietes als Europäisches Reallabor der Wirtschaftsunion. Die Geburtsstunde des Gewerbeparks AVANTIS. Acht Jahre später sollte das Gebiet tatsächlich gebaut werden. Noch bevor alle Grundstücke verkauft waren startete das Großprojekt. 2007 wurde zwischen Deutschland und dem Königreich Niederlande ein Staatsvertrag abgeschlossen, der die grenzüberschreitende Zusammenarbeit vereinfachen sollte. Doch es kam anders als geplant – die globale Finanzkrise 2008 machte auch vor dem jungen Gewerbegebiet nicht Halt.

„Wir haben immer an das Konzept eines intereuropäischen Gewerbegebiets geglaubt. Heute sehen wir neue Chancen die Euphorie von damals wieder zu entfachen und Avantis als attraktiven Gewerbeparkt zu etablieren.“ Projektpartner

Inzwischen ist ein Großteil der Grundstücke veräußert – im Norden haben sich insbesondere Betriebe für Logistik, im Süden vor allem High-Tech Betriebe angesiedelt. Auch unser Umzug Anfang 2020 war kein Zufall. Gemeinsam mit unseren Netzwerk-Partnern haben wir das Kompetenzzentrum für nachhaltige Mobilität aufgebaut. Hier vereinen wir verschiedene Ansätze, Denk- und Arbeitsweisen mit einem gemeinsamen Ziel: Die Mobilität und Logistik der Zukunft zu entwickeln.

Projekt HUMANOTOP AVANTIS

Gemeinsam mit unseren Partnern von der Parkstad Limburg, der Städteregion Aachen, der Stadt Aachen sowie den Stadtplanern und Architekten von RHA Reicher Haase Assoziierte und Maurer United haben wir den ersten Schritt hin zu einem Humanotop gemacht, die Modellregion im Gewerbegebiet Avantis analysiert und einen Maßnahmenplan entwickelt.


Ziel des Projekts war es, das Gebiet von Avantis sowie die Umgebung zu analysieren und verschiedene Schlüsselprojekte zu identifizieren, die an die Vision des Humanotops anknüpfen. Konkret betrachtet wurden dabei die Bereiche „Lebensraum“, „Mobilität“, „Ökologie“, „Energie“ und „Produktion“.

Die Analyse – welche Optionen und Herausforderungen bietet das Gebiet?

Bei der Analyse der Umgebung wurde eines schnell deutlich: Bisher sind verschiedene Nutzungsräume voneinander isoliert. Auch der Business-Park selbst stellt eine nahezu isolierte Fläche dar. Durch die überwiegende Bebauung mit Produktionshallen und nur wenigen mehrgeschossigen Bürokomplexen weist Avantis eine vorwiegend geringe Bebauungsdichte und Flächeneffizienz auf. Typisch für heutige Industriegebiete besteht Avantis aus großen versiegelten Flächen.


Verkehrstechnisch ist Avantis bisher insbesondere durch den motorisierten Individualverkehr zu erreichen – die schlechte Taktung des ÖPNV sowie die für Fahrradfahrer in der Regel zu langen Strecken sorgen dafür, dass nur wenige Nutzer von Avantis auf Alternativen zum PKW zurückgreifen. Aus Sicht der Nachhaltigkeit alles andere als ideal.

Doch bietet das Gebiet auch viele Potenziale. Beispielsweise im Bereich der Energieerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen auf den Fabrikdächern. Es lässt sich neben all der Herausforderungen festhalten: Der Standort wird von einem hohen Freiraumanteil geprägt. Die defizitäre Aufenthaltsqualität und geringe Vernetzung der Freiräume mit den angrenzen Nutzungen schränkt jedoch deren Nutzbarkeit ein.

Als Besonderheit hervorzuheben ist insbesondere die einzigartige Lage auf der deutschniederländischen Grenze – in einigen Fällen, so auch in unserem Office, verläuft die Grenze mitten durch das Gebäude.

Was nun? Das neue Leitbild und der Masterplan für das HUMANOTOP Avantis

Auf Basis der Analyse und der Leitbilder des Humanotops wurde innerhalb des Projekts ein Leitbild für Avantis formuliert:

„Als europäisches Reallabor treibt der Business-Park Avantis mit seinen innovativen Unternehmen den technologischen Wandel voran, der aktuell in verschiedenen Sektoren wie der Stadtentwicklung, dem Mobilitäts- und Logistiksektor sowie in der Energiebranche vollzogen wird. Nicht nur bei der internationalen Zusammenarbeit in Bezug auf Zukunftstechnologien, sondern auch hinsichtlich der Steigerung des Mehrwerts für die ansässigen Unternehmen, geht Avantis neue Wege, entwickelt innovative Konzepte und setzt diese um.“

Der Nutzungsschwerpunkt des Standorts soll künftig verstärkt im technologie- und forschungsorientierten Gewerbe liegen. So wurde beispielsweide die Idee eines Wasserstoff-Reallabors ausgearbeitet, welches als Schlüsselprojekt die Themenfelder Energie und Mobilität optimal miteinander verknüpft und das Potenzial für eine ganze Reihe möglicher Erweiterungen und Anschlussprojekte mit sich bringen würde.


Mit einem weiteren Schlüsselprojekt wird eine stärkere Nutzungsmischung angestrebt. An der „gemeinsamen Mitte“ sollen neben einem Quartiersplatz auch öffentliche Einrichtungen der Daseinsvorsorge, wie KiTa und Mensa angesiedelt werden.


Damit nicht genug: Weitere Ideen befassen sich mit einer besseren Erreichbarkeit von Avantis mit nachhaltigen Verkehrsmitteln sowie einer stärkeren Vernetzung der ansässigen Unternehmen, um einen besseren Austausch zu ermöglichen und Innovationen zu fördern.

Auch im Bereich der Ökologie soll einiges geschehen. So sind gibt es Ideen vorhandene Freiflächen für Wildblumen / Bienenwiesen zu nutzen und unter anderem durch die Ansiedelung von Bienenvölkern eine möglichst große Artenvielfalt zu erhalten.


Als PEM Motion freuen wir uns Teil dieses spannenden Projekts zu sein und gemeinsam mit unseren Partnern insbesondere im Bereich der Forschung und Entwicklung für Logistik und Mobilitätslösungen der Zukunft einen wichtigen Beitrag für das Avantis von morgen zu leisten.

„Avantis galt damals als zukunftsträchtig und ist es auch heute noch. Die gemeinsam erarbeitete Analyse und die entsprechend abgeleiteten Lösungsbausteine werden ein neues Zeitalter von Avantis als Zukunftsort prägen.“ Projektpartner